Auf den Spuren der Textiltechnik – Ein Besuch im TextilTechnikum Monforts

Schon 2018 begleitete der erste Jahrgang der Textilakademie NRW den Werkstattlehrer Herrn Günter Beckers bei einer Führung durch die Historie der Textiltechnik. Seitdem ist eine Exkursion in das TextilTechnikum im Zuge des Faches Textiltechnik fest im Lehrplan verankert.
In kleinen Gruppen, über das Schuljahr verteilt, lernen die Schülerinnen und Schüler wie sich der Maschinenpark über die Jahrhunderte weiterentwickelt hat und welche Innovationen dazu beigetragen haben, die Produktionsmenge und die Produktionsvielfalt zu steigern.


Anhand von Maschinen zur Garn-, Kett-, und Gewebeherstellung wird erklärt, wie die Produktionsprozesse ineinandergreifen.
Die sieben Schüler – diesmal ausschließlich junge Männer – werden am Haupteingang der Schule von Herrn Beckers in Empfang genommen und machen sich gemeinsam auf den 15-minütigen Fußweg zum TextilTechnikum. Corona-bedingt wurde die Gruppe der Schülerinnen und Schüler von zwölf auf sieben Teilnehmerinnen und Teilnehmer begrenzt.
Nach der Sicherheitsunterweisung beginnt der Rundgang durch den Maschinenpark. Zunächst werden Begriffe der Garn- und Gewebeherstellung erklärt. Anschließend begutachten die Schüler alte Spinnräder aus dem 17. Jahrhundert, im weiteren Verlauf können die Schüler eine Dampfmaschine, einen Wagenspinner, auch „self actor“ genannt, Jacquard-, Schaft-, und Exzentermaschinen sowie eine schon modernere Luftdüsenmaschine aus den 90er Jahren bestaunen. Herr Beckers, selbst Meister in Textiltechnik und seit über 30 Jahren in der Textilbranche zu Hause, erklärt zu allen Maschinen wichtige Prinzipien, Bestandteile und Abläufe.
Herr Beckers erläutert außerdem, wie mit Beginn der Industrialisierung und der Einführung der Dampfmaschine die Entwicklung im Bereich Textiltechnik schnell voranschritt. Aus einfachen Handwagenspinnern wie der sogenannten „Spinning Jenny“ wurden mit Einführung der Dampfmaschine und Transmission, halbautomatische Wagenspinner, aus Handwebstühlen wurden Webmaschinen mit großen Schusseintragsleistungen.
Die Schüler notieren sich wichtige Punkte, denn am Ende des Rundgangs wartet ein kurzer Test.
Nach der Pause werden die Bestandteile einer Webmaschine anhand eines Handwebstuhls erklärt und auf einer Skizze festgehalten.
Im Anschluss an den Test dürfen die Schüler selbst einmal auf einem Handwebstuhl Platz nehmen. Ein Schüler merkt an: „Das ist ja voll anstrengend, man muss ja alles per Hand machen.“ Für Herrn Beckers ist unter anderem diese Erkenntnis wichtig. „Die Auszubildenen sollten wissen, wie früher gearbeitet wurde.“ Tatsächlich stellen die Schüler auch fest, dass die Begriffe Brustbaum, Kettbaum oder Ried heute immer noch verwendet werden.

Herr Beckers‘ Motto ist: „Woher komme ich? Wo will ich hin?“ So dient dieser praktische Einblick in die Historie der Webereitechnik zur Vorbereitung auf noch weitere praktische Unterrichtseinheiten. Im zweiten Lehrjahr lernen die Auszubildenden in Kooperation mit der Hochschule Niederrhein und wieder unter der Anleitung von Herrn Beckers gezielt Maschinen der Breitweberei, Schmalweberei, Kettschären und Jacquard kennen.
Für die Unterstufe stehen in diesem Schuljahr noch die Spinnerei und Mikroskopie auf dem Programm.

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